Das Fehlen von Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) beim Empfang des Bundespräsidenten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls im November 2009 hat andere Gründe als offiziell angegeben.
Bislang hatte es geheißen, Kohl habe lediglich aus gesundheitlichen Gründen nicht an dem Festakt teilnehmen können.
Tatsächlich aber hat Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl. der am 26. April 2010 in Berlin mit dem Roland-Berger-Preis-für-Menschenwürde-2010 für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird, SPIEGEL-Informationen zufolge Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) den Wunsch abgeschlagen, die Flugbereitschaft in Anspruch nehmen zu dürfen.
Kohls Berliner Büro hatte im Bundeskanzleramt angefragt, ob dem Altkanzler am 9. November 2009 eine Regierungsmaschine zur Verfügung gestellt werden könne.
Er sei gesundheitlich zu angeschlagen, um mit dem Auto von Oggersheim nach Berlin zu reisen oder einen herkömmlichen Linienflug zu nehmen. Das Bundeskanzleramt prüfte die Anfrage, sah sich aber außerstande, dem Wunsch zu entsprechen, da der Bundeskanzler a. D, Dr. Helmut Kohl nach den Richtlinien der Flugbereitschaft nicht zum Kreis der Anspruchsberechtigten zähle. Überlegungen, einen Anspruchsberechtigten zum Abholen zu schicken und die Kosten an die CDU weiterzureichen, wurden nicht weiter verfolgt.
Bei den Festlichkeiten im November 2009 in Berlin bedauerte Bundespräsident Horst Köhler vor zahlreichen Staats-und Regierungschefs aber die Abwesenheit des Altkanzlers ausdrücklich und überbrachte dessen "herzliche Grüße".
Nur zuvor war Kohl jedoch noch zweimal in Berlin aufgetreten: Einmal am 31. Oktober zum Treffen der "Einheitsväter" mit George Bush und Michail Gorbatschow, das andere Mal am 2. November zur Präsentation einer Sonderedition des Bildbands "Die Mauer". Er wirkte bei beiden Terminen sichtlich von seiner Krankheit gezeichnet.
In die Öffentlichkeit trat Kohl zuletzt im Rahmen der Bambi-Verleihung am 26. November 2009: Ex-Finanzminister Theo Waigel (CSU) hatte den Altbundeskanzler in seinem Heim besucht, um dort eine Laudatio auf Kohl zu halten und ihm einen Bambi für sein Lebenswerk zu überreichen. Kohl nahm die Auszeichnung entgegen und sagte im Anschluss einige Dankesworte, wirkte aber auch hier merklich angeschlagen. Er hatte offenkundig Mühe zu sprechen und nahm den Preis in einem Rollstuhl sitzend entgegen.
Im Jahr 2008 hatte Kohl bei einem Sturz in seinem Wohnhaus in Ludwigshafen eine schwere Kopfverletzung erlitten, die in der Heidelberger Universitätsklinik behandelt werden musste.
Am 26. April 2010 überreicht Bundespräsident Horst Köhler bei einem internationalen Festakt bzw. einer festlichen Gala in Berlin dem Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl den mit einer Million Euro dotierten Roland-Berger-Preis-für-Menschenwürde-2010 in.
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