Mittwoch, 10. März 2010

Griechenland-Krise: EU droht USA mit Alleingang im Kampf gegen Spekulanten - Politik - International - Handelsblatt.com

Griechenland-Krise: EU droht USA mit Alleingang im Kampf gegen Spekulanten - Politik - International - Handelsblatt.com


Spekulanten hatten mit CDS-Papieren auf einen Staatsbankrott Griechenlands gewettet und so die Zinsen für griechische Staatsanleihen in die Höhe getrieben. Der Chef der Eurogruppe Juncker drohte Marktakteuren daraufhin mit „Folterwerkzeugen“, sollte Griechenland durch Spekulationen weiter in Bedrängnis geraten. Bei ihrem Zusammentreffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou sagte Kanzlerin Merkel, die internationale Spekulation gegen Staaten durch CDS müsse entschärft werden. Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen will Merkel möglichst schnell Änderungen auf europäischer Ebene.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm betonte, dass es der Bundesregierung nicht um ein Verbot von Kreditausfallversicherungen gehe. Ein generelles Verbot von CDS sei problematisch, weil diese Papiere für Unternehmen ein sinnvolles Instrument sein könnten, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern. Es gehe um sinnvolle Regelungen für den Umgang mit Spekulationen gegen Staaten. Der Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, dass man „das Kind nicht mit dem Bade ausschütten“ wolle. Beabsichtigt seien treffsichere Maßnahmen gegen Spekulationen.

Der Vorsitzende des Finanzmarktstabilisierungsrats FSB, Mario Draghi, sieht ebenfalls Regulierungsbedarf beim Handel mit CDS-Papieren. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Märkte in demselben Zustand belassen werden, in dem sie vor der Krise waren“, sagte er. Draghi kritisierte, dass „ man heute Wetten gegen Banken, Unternehmen und Staaten abschließen kann, ohne ein Interesse an einer Absicherung zu haben“. Draghi, der zugleich Präsident der italienischen Notenbank ist, warnte: „Wenn solche Wetten weit verbreitet sind und eine bestimme Größte erreichen, haben sie systemische Folgen für das Finanzsystem. Man kann davon ausgehen, dass es dann auch eine systemische Regulierung der Produkte geben wird.“

Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou hat spekulative Geschäfte mit Kreditausfallversicherungen als Geißel der Weltwirtschaft gebrandmarkt. Die führenden Industrie- und Schwellenländer der G20 sollten eine Führungsrolle bei der Bekämpfung dieser Praktiken übernehmen, forderte Papandreou gestern in Washington. Es dürfe nicht den Märkten überlassen bleiben, die Regeln zu setzen. Europa und die USA müssten hierbei an einem Strang ziehen.

Mit CDS können sich Investoren gegen Zahlungsausfälle von Schuldnern absichern. Steigt das Ausfallsrisiko eines Schuldners, schnellen die Risikoprämien in die Höhe und Verkäufer von Kreditausfallswaps können beim Verkauf der Swaps Gewinne erzielen. Aktuell liegt der CDS-Preis für griechische Staatsanleihen bei 282,2 Basispunkten. Das bedeutet, eine Versicherung für zehn Mio. Euro griechischer Schulden kostet derzeit 282 200 Euro.

Mehr zum Risiko von CDS lesen Sie hier.

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